Die 63-jährige Journalistin Susanne Wetterich wurde beim Landesdelegiertentag der Frauen Union am Samstag, 20. Juli in Urbach zur neuen Vorsitzenden gewählt. Sie folgt auf Inge Gräßle, die nicht mehr kandidiert hatte, nachdem sie den Wiedereinzug ins Europaparlament verpasst hatte. Mit Applaus im Stehen dankten die Delegierten ihrer bisherigen Frontfrau und wählten sie zur Ehrenvorsitzenden.

Die designierte Spitzenkandidatin der CDU Baden-Württemberg zur Landtagswahl, Ministerin Susanne Eisenmann, sieht in einer gelebten und aktiven Frauenpolitik eine wichtige Aufgabe der CDU Baden-Württemberg, wie sie in ihrer Rede ausführte. Es gehe darum, alle gesellschaftlichen Gruppen mitzunehmen und ein überzeugendes Angebot zu machen.
Es sei für die Frauen in der CDU ein ermutigendes Signal, dass die CDU Baden-Württemberg erstmals mit einer Frau an der Spitze in die Landtagswahl ziehe, sagte die neue Vorsitzende Susanne Wetterich. Die Frauen Union werde alles daransetzen, dass die CDU die Wahl gewinnt und die erste Ministerpräsidentin im Land stellt.

Trotz großen Unmuts über die schlechte Platzierung von Inge Gräßle, die von der CDU Baden-Württemberg nach vier Männern lediglich auf Platz 5 der Landesliste aufgestellt worden war und der schlechten Berücksichtigung von Frauen bei den Mandaten der Südwest-CDU generell, richten die CDU-Frauen den Blick nach vorn. Deutlich wurde, dass sie diese Situation nicht länger hinnehmen wollen. Auch die FU-Bundesvorsitzende Staatsministerin Annette Widmann-Mauz forderte von ihrer Partei mehr Ehrgeiz: Was an der Spitze mit Angela Merkel, Ursula von der Leyen und Annegret Kramp-Karrenbauer möglich sei, müsse auch in der Breite, in Bund und Ländern, gelingen.

Der CDU Baden-Württemberg ein kritisches Gegenüber zu sein und für bessere Beteiligung der Frauen zu kämpfen, sehe sie als Aufgabe der Frauen Union, so Wetterich in ihrer Vorstellungsrede. Für die CDU als moderne Volkspartei sei die Frauenfrage eine Zukunftsfrage. Als Maßnahmen nannte sie einen qualifizierten Frauenförderplan, Verbindlichkeit für das Frauenquorum und einen neuen Anlauf zur Reform des Landtagswahlrechts.
In der Arbeit will sie einen Schwerpunkt auf die Gewinnung junger Frauen legen, den Verband thematisch breit aufstellen und den Außenauftritt modernisieren. Aktuell gelte es, die Landtagswahl vorzubereiten und insbesondere in möglichst vielen Wahlkreisen Frauen für die Erstkandidatur zu gewinnen und bei der Nominierung durchzusetzen.

Neben der Wahl zur Vorsitzenden, die Susanne Wetterich bei einer Kampfkandidatur mit 92 zu 75 Stimmen oder 55,1 zu 44,9 Prozent gegen Staatssekretärin Katrin Schütz für sich entscheiden konnte, wurde der übrige Landesvorstand neu gewählt. Stellvertretende Landesvorsitzende sind weiterhin Dr. Marianne Engeser (Nordbaden) und Helga Gund (Südbaden). Ebenfalls bestätigt wurden Brigitte Schäuble (NB) als Schatzmeisterin, Christl Pick-Gobs (Württemberg-Hohenzollern) als Pressereferentin, Rosemarie Röhm-Frenzel (NB) als Schriftführerin und Hermine Roth (Nordwürttemberg) als Mitgliederbeauftragte. Neu gewählt wurde Bürgermeisterin Martina Fehrlen (NW) als Internetbeauftragte. Zu Beisitzerinnen wurden Diana Arnold (WH), Marieluise Bethke (NW), Azra Bredl (NB), Gabriele Gaiser (WH), Dr. Madline Gund (SB), Vera Huber (SB), Miriam Kammerer (SB), Kordula Kovac (SB), Doris Oesterle (NB), Martina Schlegl (NW), Priska Seiler (SB), Elke Staubach (NW), Agnès Thuault-Pfahler (NB), Petra Walter (NW) und Isolde Weggen (WH) gewählt.

Einstimmig verabschiedete der Delegiertentag schließlich einen Leitantrag „Zeit für Familien, Chancen für Frauen – Entscheidungsfreiheit ermöglichen“. Um die Rahmenbedingungen für Familien zu verbessern, fordern die CDU-Frauen nicht nur den quantitativen, sondern auch den qualitativen Ausbau der Betreuungsangebote, attraktivere Arbeitsbedingungen für Erzieherinnen und Erzieher und den Ausbau der schulischen Betreuungsangebote. Überdies werden in dem Antrag eine familienfreundliche Stadtplanung und familienfreundliches Bauen angeregt.

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