14.07.2017

FU Südbaden: "Sprache und Integration in den Arbeitsmarkt als Schlüssel zur erfolgreichen Integration"

Der neue Bezirksvorstand der Frauen Union Südbaden (Bild: FU Südbaden)


Der Bezirksdelegiertentag der Frauen Union Südbaden begann mit den Neuwahlen des Bezirksvorstandes, bei dem die Bezirksvorsitzende Helga Gund mit 100 Prozent wiedergewählt wurde.

Die Frauen Union Südbaden hat schon mehrfach bewiesen, dass sie sich schwierigen Themen annimmt und um die konkrete Umsetzung von Anträgen und Verbesserungsideen bis zur CDU-Bundesebene hartnäckig durchkämpft. Auch dieses Mal wurden verschiedene Anträge, wie die Forderung des Spracherkennungssystems bei der Überprüfung von Asylbewerbern und sonstigen Neuankömmlingen beim BAMF, einheitliche verbindliche Leitlinien zur Integrationspolitik in Bund, Land und Kommune, aber auch die Überarbeitung des Personenstandsrechts verabschiedet.

Gudrun Heute-Bluhm, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Städtetages Baden-Württemberg, sprach über Anspruch und Wirklichkeit des Paktes für Integration. Der Pakt für Integration mit den Kommunen wurde von der Landesregierung im April dieses Jahres für die nächsten zwei Jahre beschlossen. Das Land gibt in diesem Zeitraum eine Summe von 320 Millionen Euro an die Kommunen zur Unterstützung der Integrationsarbeit vor Ort. Finanziert werden damit vor allem Integrationsmanager. Die Qualifikation zum Integrationsmanager erfordert in erster Linie eine Ausbildung im Sozialwesen. Allerdings können auch Personen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung entsprechend nachqualifiziert werden.

"Integrationsmanager bieten niedrigschwellige Angebote und sind Ansprechpartner für Ehrenamtliche", so Heute-Bluhm zusammenfassend. Bestehende Programme, wie beispielsweise Sprachkurse können mit dem Geld aus dem Integrationspakt aufgestockt werden. "Speziell werden Frauen durch Tandemkurse in Bibliotheken, Kindergärten und Kursen ausschließlich für Frauen gefördert", erklärte Heute-Bluhm. Man brauche jedoch eine längerfristige Perspektive über den für zwei Jahre geltenden Pakt hinaus.

Eva-Maria Tomczak, Spezialistin für internationale Personalbeschaffung mit Erfahrung in unterschiedlichen Organisationsformen, wie beispielsweise der UNO, skizierte den Weg vom Flüchtling zum Arbeitnehmer: "Wir müssen zuerst selbst für uns klären, in welcher Gesellschaft wir leben wollen, erst dann kann man ein Bild unserer Gesellschaft anderen vermitteln. Integration gelingt dabei am besten über Beschäftigung am besten", so Tomczak, die aufgrund von Interviews in ganz Südbaden in Betrieben jeder Art und Größe, Daten und Rahmenbedingungen zu diesem Thema erhoben hat. Es böten sich viele Chancen für Unternehmen, Flüchtlinge und grundsätzlich motivierte Menschen einzustellen und zu qualifizieren. "Auch Praktika bieten einen ersten Schritt in die Arbeitswelt", so Tomczak. Der Arbeitsmarkt sei erste Plattform, um in die deutsche Gesellschaft einzutauchen. Das sei neben der Sprache der Schlüssel zur Integration. Es müssten aber ausreichend Sprachkurse und Lehrer angeboten werden. Momentan komme die deutsche Bürokratie ihrer Verantwortung hier nicht ausreichend nach.

Wie Heute-Bluhm betonte Tomczak, dass Deutschland ein Einwanderungsgesetz brauche, um die Integration der Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt zu beschleunigen. Heute Bluhm betonte aber auch: "Wer sich nicht integrieren will, muss ohne Erschwernisse wieder in sein Heimatland zurück geschickt werden dürfen." Die Frauen Union Südbaden habe die Forderung, dass Deutschland ein Einwanderungsgesetz brauche, schon als Antrag auf dem letzten FU-Landesdelegiertentag in Weingarten eingebracht, so die Bezirksvorsitzende Helga Gund.

"Um die Menschen, die hier bleiben können zu integrieren, muss schnell festgestellt werden, wer zu diesem Personenkreis gehört, denn wirkliche Integration kann nur für eine begrenzte Anzahl von Personen geleistet werden." Tomczak rät dazu, in Ausbildung und Weiterbildung zu investieren. Aufgrund der Sprachbarriere müsse man grundsätzlich mit einem Integrationsprozess in den Arbeitsmarkt von fünf bis sieben Jahren rechnen. Flüchtlinge für den Strukturaufbau in ihren Heimatländern vorzubereiten, sei die beste Entwicklungshilfe überhaupt.

 

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